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Helvetik: April 1798 — März 1803

Die Eidgenossenschaft war vor 1798 ein loser Bund verschiedenartigster Glieder. Diese unterschieden sich in der Sprache und Kultur, in der Grösse und wirtschaftlichen Kraft und in der sozialen und politischen Stellung. Dazu kamen die unversöhnlichen Gegensätze der Konfessionen und die alten Rivalitäten zwischen den Städten und den Ländern mit ihren ganz andern politischen Strukturen. Es fehlte eine starke und handlungsfähige Zentrale, was sich in der kommenden Krise verhängnisvoll auswirkte.

Die Schweiz konnte dem militärischen Druck der Revolution im grossen Nachbarland nicht standhalten. Die Niedermetzelung der Schweizergarde in Paris am 10. August 1792 bewirkte die Scheidung der Geister in eine „Kriegspartei“ und in eine „Neutralitätspartei“. Dazu kamen französische Agenten, die — ziemlich erfolglos — in den Untertanenländern Unzufriedenheit schürten.

Im Oktober 1797 war Napoleon entschlossen, die Schweiz mit ihren wichtigen Alpenübergängen der Machtsphäre Frankreichs einzugliedern. So beschloss er anfangs Dezember 1797 die militärische Besetzung der Schweiz.

Um die Einheit zu demonstrieren und den Franzosen Eindruck zu machen, veranstaltete die Tagsatzung am 29. Januar 1798 eine feierlichen Bundeserneuerung. Der französische Gesandte aber und seine Agenten verspotteten öffentlich in allen Wirtshäusern die ‚eitle Posse‘. Am Tage nach der Bundesbeschwörung traf die Nachricht vom Umsturz in Basel und im Waadtland ein. Mit der Erhebung der Waadtländer brach die Woge der Erhebung durch das Schweizerland.

2. Reformen, um die Eigenständigkeit Luzerns zu retten

 

a) Abdankung der Aristokratie am 31. Januar 1798

Bisher wurden die Mitglieder der Regierung aus dem Kreis der „regimentsfähigen Familien“ gewählt, der im Verlauf der Jahrhunderte immer mehr eingeschränkt wurde. Im Jahre 1773 gab es noch 29 „regimentsfähige Familien“. Diese stellten auch die Offiziere und die Landvögte auf der eigenen Landschaft und in den Vogteien. Ebenso waren die „guten“ geistlichen Pfründen in den Pfarreien, Klöstern und Stiften ihren Söhnen reserviert.

In der Kirchenpolitik war die Rolle, die Luzern spielte, gewichtiger als die der meisten übrigen Kantone. Luzern war bis 1712 (Niederlage der Katholiken bei Villmergen) der unbestrittene katholische Vorort. Von da an wurden die Spannungen zwischen Staat und Kirche immer stärker; es wuchs auch das Misstrauen der Landbevölkerung gegen die Stadt. Instinktiv fühlte das Landvolk die Bedrohung des Glaubens durch die Aufklärung, die sich in manchen Köpfen der Stadtherren festsetzte. Darum reagierte das Landvolk sehr sensibel auf das Gebaren der Regierung der Kirche gegenüber. In der Stadt aber wertete man dessen Ruf „Religionsgefahr!“ als Fanatismus.

Am 27. Dezember 1797 fand in Luzern zum letzten Mal die Erneuerung und Neubesetzung der Regierung statt. Niklaus Dürler wurde der letzte Schultheiss des alten Freistaates. Doch der Druck von Frankreich wurde immer stärker. Die Besetzung der Schweiz war ja beschlossen. In der immer grösser werdenden Not ordnete der bischöfliche Kommissar Karl Krauer auf den 14. Januar 1798 einen Bettag an und bat inständig, alle Ausfälle gegen die Franken zu vermeiden.

Am 31. Januar 1798 fassten die Luzerner Räte überraschend den Beschluss, die überlieferte Staatsform aufzugeben. Die Regierung hoffte, eine Invasion der Franzosen durch eine umfassende Reform verhindern zu können. Dieser Beschluss war von höchster Tragweite. Der wichtigste Satz daraus heisst: „Die aristokratische Regierungsform ist abgeschafft.“ Er bedeutete den unvermittelten Abbruch einer jahrhundertealten, organisch gewachsenen Gesellschaftsform, der einem Zusammenbruch gleichkam. — Luzern teilte die Staatsveränderung sofort dem französischen Geschäftsträger Mengaud mit. Am 23. Februar traf sogar von Paris, vom Minister der auswärtigen Angelegenheiten, Talleyrand, ein Glückwunsch- und Belobigungsschreiben ein.

In der Stadt war man über die Abdankung der Aristokratie hoch erfreut. Auf der Landschaft zeigte sich eine verschiedenartige Stimmung. Die Abschaffung der Aristokratie gefiel zwar, und eine Demokratie ungefähr wie in der Innerschweiz wäre willkommen gewesen. Eine repräsentative Verfassung aber fand nicht überall Anklang. Die fränkische Nation wurde von den einen bewundert und geliebt, von andern, welche in den Franzosen Feinde der Religion erblickten, gehasst. Der alte Zwist zwischen Stadt und Land war wieder akut, und Niklaus Wolf gehörte zum Land.

b) Die ersten Volkswahlen für ein luzernisches Parlament
(1) Die Vorbereitung der Wahlen

Die Ratsversammlung vom 7. Februar ordnete in einem ausführlichen Erlass von 7 Seiten und 40 Artikeln die erste demokratische Wahl im Kanton Luzern. 50 Wahlmänner sollten am 12. Februar durch das Volk, das in Wahlkreise eingeteilt war, bestimmt werden. Diese 50 sollten am andern Tag die 19 Volksrepräsentanten „ab der Landschaft“ bestimmen. Nach französischem Vorbild waren auf der Landschaft indirekte Wahlen vorgesehen. — Die „lob. Munizipal-Städte“ Sursee und Sempach wählten am 12. Februar direkt (ohne Wahlmänner) je einen Volksrepräsentanten, die Bürger der Stadt Luzern vier und die Hintersässen der Stadt einen. Dazu kamen noch zehn von den nun provisorisch amtenden „Rät und Hundert“ Gewählte.

Bei dieser ersten Volkswahl im Kanton Luzern wurde angeordnet, dass die Wahlberechtigten vor der Wahl die hl. Messe besuchen mussten und dass dabei das für diesen Anlass vom „hiesigen Herrn Leutpriester“ verfasste Gebet vom Ortspfarrer vorgebetet werde.

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    Und hat nicht Christus gesagt: "Wenn ihr den Vater in meinem Namen um etwas bitten werdet, so wird ER es euch geben"? Was haben wir noch Zweifel? Alles werden wir erhalten, wenn wir genug Glauben haben.»

    Vater Wolf

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    Ich fasste ein Herz und ein allgewaltiges Vertrauen zum heiligsten Namen Jesu und rief Ihn wider mein Übel an, und dieses wich augenblicklich samt all seinen Begleiterscheinungen.»

    Vater Wolf

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    Ich ermahne die Leute, keinen Morgen ihr Schlafzimmer zu verlassen, ohne zuvor auf den Knien ein eifriges Gebet verrichtet zu habe. Erst dann, sage ich, könne man den Tag im Namen Jesu anfangen und Gottes Beistand in allen Geschäften und Verrichtungen erwarten.»

    Vater Wolf

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    Wenn der Mensch in der Kirche täglich eine Geldsumme holen könnte, so klein sie auch wäre, er wäre an keinem Tage zu träge, sie zu holen. Aber was uns Gott in der heiligen Messe schenkt, ist viel mehr wert als ein Haufen Geld.»

    Vater Wolf

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    Wenn durch die Heilung der Kranken Gott und der heiligste Namen Jesu verherrlicht werden, warum soll es dann nicht geschehen? Jesu hat den Kranken, die zu Ihm kamen, nicht gesagt: Leidet geduldig usw:; sondern Er hat sie gesund gemacht, damit der Vater durch Ihn verherrlicht werde und Er durch den Vater.»

    Vater Wolf